Aschermittwoch: Der Lent ist da!

Unsterbliche Seelen in einer vergänglichen Welt

Am Aschermittwoch können wir uns, zum Beginn der Fastenzeit, die Stirn mit dem Kreuz aus Asche bezeichnen lassen. Asche ist ein starkes Symbol für die Vergänglichkeit: Der lebendige Baum wird zu Holz, das Holz zu Asche. Das Aschekreuz erinnert uns an unsere eigene Vergänglichkeit. Unser Leib, dieses erstaunliche Wunderwerk, wird vergehen. Nach und nach wird die Erinnerung an uns verblassen. Irgendwann wird auch die letzte Person, die uns gekannt hatte, selbst sterben.

Damit nicht genug, die Fastenzeit stellt uns auch unsere Begrenztheit vor Augen. Paulus hat dies sehr drastisch formuliert: „Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich.“ Die Fastenzeit heißt deshalb auch Bußzeit. Wir sind eingeladen unsere eigenen Schwächen und Grenzen demütig anzuerkennen und die unserer Mitmenschen großmütig zu respektieren. Das heißt vor allem mit ihnen und uns selbst barmherzig zu sein.

Ist die Fastenzeit also eine Zeit, in der wir idealerweise in Sack und Asche gehen sollten?

Das englische Wort für die Fastenzeit ist „Lent“. Lent erinnert nicht nur zufällig an den Lenz, das altdeutsche Wort für die Frühlingszeit. Der Lenz steht für das Erwachen der Natur, das neue Leben, für Tanz, Fröhlichkeit und Liebe.

Die 40 Tage vor Ostern kennen auch diese andere Seite:

  • Das Wissen um die Vergänglichkeit des Leibes verweist uns auf die Schönheit und Unsterblichkeit unserer Seele.
  • Die Erkenntnis unserer Begrenztheiten will uns auf den Weg nach Innen weisen. Zu unserem Seelengrund, wo der Unbegrenzte voller Liebe auf uns wartet.
  • Die altkirchliche Tradition, sich in der Fastenzeit vegan zu ernähren, ist die großartige Gelegenheit eine zukunftsfähige Lebensweise auszuprobieren.

Die Fastenzeit möchte uns etwas von unserer Erdenschwere nehmen (damit ist nicht die Waage gemeint). Wagen wir in dieser besonderen Zeit einen Perspektivwechsel:
Betrachten wir uns einmal als unsterbliche Seelen in einer vergänglichen Welt.

Dieser Wechsel der Perspektive kann uns die Leichtigkeit eines heiligen Lenzes schenken. Eine heilige Leichtigkeit, die Sorgen, Trauer und Schwierigkeiten nicht verschwinden lässt, die ihnen aber doch einen Teil ihrer Schwere nimmt.

Markus Mößner, Heidelberg