Dominikanisches Leben in Afrika: praise, bless and preach

Die weltumspannende dominikanische Gemeinschaft wird bei den Dominican Missionary Sisters intensiv spürbar.
Ein Bericht aus Ndola/Sambia

Im Mai 2026 führte mich ehrenamtliche Arbeit für die Missionsdominikanerinnen vom Heiligsten Herzen Jesu (dominicanmissionarysisters.org/) nach Ndola, in die drittgrößte Stadt der Republik Sambia (im Süden Afrikas) mit mehr als 650.000 Einwohnern. Hier verbrachte ich knapp vier Wochen und erlebte dominikanisches Leben im Konvent der Schwestern: to praise, to bless and to preach.

Die Statue des Heiligen Dominikus vor dem ältesten Gebäude des Konvents zeigt einen dynamischen Heiligen, immer unterwegs: Der Heilige ist barfuß und in Eile, die Schuhe hat er hinter sich auf seinen Wanderstab gebunden. Mit der Heiligen Schrift in der Hand eilt er auf den Konvent zu, um den Menschen zu begegnen und sie mit Christus in Verbindung zu bringen: ein sprechendes Bild für die Dynamik, die auch das Leben dieser Schwestern-Gemeinschaft ausmacht – immer bereit neue Projekte zu entwickeln, um in vielfältiger Weise den Menschen zu dienen.

Die Hausgemeinschaft besteht derzeit aus 16 Schwestern, die sich mehrfach täglich zum Gebet und zu den Mahlzeiten treffen. Hier ist auch das Regionalat angesiedelt, also die Verwaltung der sambischen Ordensregion mit all ihren Niederlassungen.

Die Schwestern führen ein schlichtes, einfaches Leben, für europäische Verhältnisse sehr einfach. Die vorhandenen Mittel werden effizient für die jeweiligen Missionen eingesetzt: Unterricht und Leitung in Schulen, Krankenpflege und Sozialarbeit, Betreiben von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen für verwaiste oder behinderte Kinder, die einfach vor das Kinderheim gelegt oder gar aus fahrenden Autos geworfen werden (in der „Hoffnung“, sie würden das nicht überleben).

Die Vielfalt der Nöte und Bedürfnisse der Menschen ist groß: Das öffentliche Gesundheitssystem ist nicht ausreichend, das private für „Normalbürger“ viel zu teuer. Staatliche Schulen gibt es, diese sind aber unzureichend finanziert und ausgestattet. Soziale Fürsorge für Behinderte beruht rein auf privater Initiative.

So antworten die Schwestern mit ihrer Arbeit auf konkrete soziale, medizinische und auch spirituelle Bedürfnisse, betreiben Privatschulen, leiten und managen staatliche Schulen in einem sogenannten funded system und stellen so eine gute Basisbildung für viele Mädchen her. Da der Bedarf einer ebenso guten Erziehung auch für Jungen erkannt wurde, werden nun auch erste Klassen für sie eröffnet. Weitere sind in Planung. Ähnlich wie in Europa ist das „Männerbild“ oder die Rolle des Mannes in einer Gesellschaft, in der Frauen immer besser ausgebildet werden, prekär und braucht Unterstützung und Formung.

Der spirituelle Hunger ist groß

In der Umgebung des Konventes befinden sich einerseits die Kathedrale der Stadt und die daran anschließenden Verwaltungsbauten des Generalvikariates (Ndola ist seit 2024 Erzdiözese), andererseits auch zahlreiche weitere Kirchen, Freikirchen, Pfingstkirchen und evangelikale Gemeinschaften. Der spirituelle Hunger scheint groß zu sein und lässt die Menschen nach den entsprechenden Quellen suchen. Die Lautstärke der freikirchlichen Lobpreis-Gottesdienste bis spät in die Nacht hinein beeinträchtigt allerdings auch das Leben der Missionsdominikanerinnen…

Die Schwestern (derzeit sind es in der Kongregation etwa 250) haben in Afrika Niederlassungen in Sambia, Kenia und Simbabwe; das combined novitiate befindet sich in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Außerhalb Afrikas gibt es noch Niederlassungen in Bogotá (Kolumbien) und Gossops Green bei London (hier ist das Generalat) und Greenwich (GB). Das einstige Mutterhaus befindet sich in Strahlfeld (Oberpfalz) – Von hier aus, gegründet 1917, sind im Laufe der Jahrzehnte hunderte Schwestern in die Mission ausgesandt worden. Mittlerweile leben aber nur noch wenige europäische betagte Schwestern in den Konventen: Die Kongregation bilden zum großen Teil einheimische begeisterte Frauen, die das dominikanische Charisma weitertragen.

Verkündigung in über 70 Dialekten

Das Stundengebet, zu dem sich die Gemeinschaft täglich mehrfach in der Kapelle versammelt, wird zum großen Teil in englischer Sprache gefeiert. Hymnen und Lieder werden auch in Bemba gesungen, einem der wichtigsten der über 70 Dialekte der Bantu-Sprachen, der in der Region Copperbelt gesprochen wird. Dafür gibt es zahlreiche Liederbücher und -hefte, die allerdings nur die Texte enthalten, keinerlei Notenschrift. Der Gesang wird gern mit verschiedenen Trommeln und Rhythmusinstrumenten begleitet – eine für Europäer so typische Orgel findet sich hier nicht, auch nicht in der Kathedrale. Auch hier wird meist a capella gesungen oder mit einem Keyboard unterstützt.

Beeindruckend am Gemeinschaftsleben der Schwestern waren der sehr feinfühlige, rücksichtsvolle Umgang miteinander, die Freundlichkeit und die Mühe um das Wohlergehen der anderen. Es herrschte eine Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung und Hochachtung, gepaart mit einer grundsätzlichen Fröhlichkeit und spürbaren Freude.

Im Konvent Ndola ist gerade eine Laiendominikaner-Fraternität in Gründung. Mehrere Interessenten treffen sich bereits selbständig regelmäßig, teilweise allerdings nur online aufgrund der großen geographischen Distanzen. In zwei Treffen (online und vor Ort) habe ich mich mit ihnen ausgetauscht, von unserer Gruppe in Wien erzählt und Impulse gegeben, wie es für sie weiter gehen könnte (die Fragen waren ganz grundsätzlich nach Ablauf und Inhalt der Gruppentreffen sowie Ausbildung und Struktur der Gemeinschaft). Wir haben Kontaktdaten ausgetauscht: Es wird dominikanische Unterstützung über Kontinente hinweg geben!

Ute Schmidthaler, Wien (Text + Bild)